– Auf leisen Pfoten –

Robert-Koch-Platz, Wolfsburg

Das Erste, das wir in unserem Leben hörten, war unsagbarer Krach von dröhnenden, großen Maschinen, die mit großen, breiten Schaufeln Erde aus dem Boden hoben. Lärm, vor dem wir uns in Acht nehmen sollten. Die Maschinen waren schwer und groß und wir doch noch so klein. Das Dröhnen begleitete uns seit dem ersten Atemzug.

Irgendwann wurde es still. Die Maschinen waren fort. Endlich. Die Nächte wurden kälter. Unsere Mama entdeckte, dass die Leute ein Loch gebuddelt und die schönen warmen Rohre frei gelegt hatten. Außerdem gab es dort noch einen ganz langen Tunnel unter der Erde, in dem es schön warm war. Sie entschied, dass wir hier sicher seien und trug uns hinein.

Am Tag ist die Welt da draußen laut und gefährlich. Mama sagt, wir dürfen das Versteck nur verlassen, wenn sie es uns erlaubt. Also warten wir immer brav, bis unsere Mama wiederkommt. Sie muss ja auf Futtersuche gehen, damit sie wieder Milch für uns hat, denn wir haben großen Hunger. Hier in dem dunklen Schacht findet uns niemand – hier sind wir sicher!

Wir wetzen unsere Krallen an der Isolierung der Rohre und wenn draußen alles still und dunkel ist, klettern wir auf leisen Pfoten aus unserem Versteck und spielen im Mondschein.

Mama lehrt uns, sehr vorsichtig zu sein. Die Welt dort draußen birgt viele Gefahren. Leider gibt es aber nicht genug zu essen für uns alle und von der Gefahr, in der wir uns schon jetzt befinden, ahnt niemand von uns etwas, auch Mama nicht …

Woher auch sollten wir wissen, dass die Maschinen bald wieder anrücken und unser Versteck ein mit Sand gefülltes Grab werden würde ...

Seit Neuestem kommen immer Menschen zu unserer Höhle, die Art von Lebewesen, vor der wir uns am meisten fürchten. Zum Glück sind sie nicht klein genug, um auf den Rohren in unseren Tunnel zu kriechen, so wie wir. Hier sind wir sicher.

Mein Bruder aber wurde unvorsichtig. Für ein paar Augenblicke waren Mamas Worte vergessen. Angelockt von köstlichen Gerüchen, traute er sich aus unserer sicheren Grube … ganz vorsichtig und leise tapste er Stück für Stück voran. Er machte sich ganz klein und robbte weiter. Ich wollte ihn noch warnen, doch er drehte sich nicht um. Ein lautes „Klack“ und er war gefangen!

„Bitte, bitte tut ihm nichts – er hat noch nie etwas Böses getan und ist doch noch so klein!“

Wo ist nur Mama? Sie muss unseren Bruder da raus holen!

Mein Bruder wurde in einer neuen, abgedeckten Höhle davon getragen. Er war ganz ruhig und ich glaubte, ihn niemals wiederzusehen.

Traurig kauerte ich mich im weichen Sand neben meinen anderen Bruder an das warme Rohr.

Schon wieder Lärm – neue Höhlen werden aufgebaut. Es riecht köstlich, aber wir sind brav und werden warten, bis Mama wiederkommt.

Mama kam pünktlich. Sie kommt immer, wenn die Sterne ihr den Weg zeigen und der Mond unser Versteck in ein warmes Licht taucht.

Wieder ein lautes „Klack“ …

Auch Mama ist in eine der fremden Höhlen gegangen und auch sie wurde von Menschen weggetragen. Wir waren traurig. Von Mama hatten wir gelernt, vorsichtig zu sein. Wir müssen jetzt dolle aufpassen. Mama und Grubi waren bereits fort.

Insgesamt vier Monde kamen die Menschen immer und immer wieder mit ihren grellen Leuchten.

Zu Beginn des 3. Mondes ging mein anderer Bruder vom Hunger getrieben in eine der kleinen Höhlen. Das Klacken hallt jetzt noch in meinem Kopf.

Was wohl mit ihnen geschehen wird? Werde ich sie jemals wiedersehen?

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Ich habe furchtbaren Hunger und Durst. Mein Magen knurrt und die Nächte werden kälter. Ich würde mich so gerne an meine Mama kuscheln. Leider kommt sie nicht mehr. Auch meine Geschwister kommen nicht mehr. Ich bin ganz allein. Aber ich werde tapfer sein und aufpassen, so wie Mama es uns gelehrt hat. Ich darf mein Versteck nicht verlassen. Daran halte ich mich.

Ich bin schlau! Vorsichtig gehe ich nur dann zu dieser neuen Menschenhöhle, die abwechselnd mit den leckersten Dingen gefüllt ist, wenn wirklich niemand von diesen Menschen da ist. Ich habe doch so großen Hunger, dass mir schon mein Bäuchlein weh tut.

Vorsichtig fische ich mir die herrlichen Köstlichkeiten mit meinen kleinen Pfoten heraus. Genüsslich schlage ich mir den Bauch voll und kichere still in mich hinein. So vergehen zwei Nächte und zwei Tage – allein. Auch nachts kommen sie und tauschen die Leckereien gegen frische Köstlichkeiten aus.

Ich spüre die Müdigkeit und die Verzweiflung der Menschen, die glauben, sie könnten auch mich fangen. Gefühle – ob Lebewesen, die fühlen und sich sorgen, wirklich so schlecht sind?

Na ja, dann kam auf jeden Fall gestern Nachmittag das geräucherte Forellenfilet – Leute, was soll ich sagen? Das hat mich dann wirklich schwach gemacht. Da war halt auch nichts mit „rausfischen“. Die Menschen waren jetzt schlauer und legten nur ein, zwei Bröckchen zum Locken hin. Für die großen Stückchen musste ich weiter hineinkrabbeln in diese Menschenhöhle. Ich konnte dem Duft leider nicht widerstehen.

Langsam tapste ich also immer näher an die Leckerei heran. „Klack“, Scheiße … aber schmecken lasse ich es mir trotzdem. Entschuldige bitte, Mama, dass ich nicht artig war!

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Mittlerweile bin ich übrigens bei meinen Brüdern und meiner Mami. Es geht uns allen gut und wir bekommen hier ‚Non Stop‘ alle Leckereien, die wir uns nur vorstellen können. Wir haben uns sogar nach kurzer Zeit schon von den Menschen streicheln lassen …

So ganz geheuer ist uns das Ganze noch nicht – aber das wird schon!

……………..

Wir konnten innerhalb von 4 Tagen alle Kitten mit ihrer Mama aus einer Baugrube in der Nähe des Robert-Koch-Platzes sichern. Es sind drei ca. 7 Wochen alte Kitten. Ihre Mama dürfte ca. 1 – 2 Jahre alt sein. Alle befinden sich glücklicherweise in einem guten gesundheitlichen Zustand.

Danke an Ulrike, Anne, Jenny, Christian und Claudia. Wir alle hatten furchtbare Sorge um die Kätzchen. Bis wir sie gefunden haben, waren wir an vielen, schon zugeschütteten Gruben einer nahe gelegenen weiteren Baustelle. Ein großes ‚Sorry‘ an die Bauarbeiter, die von uns ganz schön in Atem gehalten wurden …

Danke auch an die lieben Anwohner, die beim Kontrollieren der Fallen geholfen und uns überhaupt erst auf die Katzenfamilie aufmerksam gemacht haben. Ein liebes Dankeschön auch an Melanie, die ebenfalls spontan eingesprungen ist und die Fallen mit kontrolliert hat.

Die Kätzchen fressen wie verrückt, haben einiges an Nachholbedarf.

Roberti, Kochi, Plätzchen (Mama) und Grubi suchen in einigen Wochen ein schönes Zuhause!

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Roberti, Kochi und Grubi mit ihrer Mama Plätzchen

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