Walter, der kleine Vagabund

Die Geschichte eines kleinen, mutigen Katers und einer großen 4wöchigen Fangaktion von insgesamt 17 Katzen in Hoitlingen.

Vor gut einem Monat, am 7. Juni 2021 informierte uns eine junge Frau aus Hoitlingen darüber, dass sich auf dem Grundstück ihrer Vermieterin zwei noch kleine Babykätzchen und deren Mutter aufhielten. Nach einem kurzen schriftlichen Austausch erhielten wir am 14. Juni Fotos der Zwerge in ihrem Versteck.

Da unsere Pflegestellen bereits ziemlich voll waren, musste zunächst die Unterbringung geklärt werden. So machten wir uns dann am 15. Juni auf den Weg, um die Lage vor Ort zu begutachten.

Auf dem besagten Grundstück befanden sich eine weiß-graugetigerte Mama mit ihren zwei Babys, die sich jedoch nicht so ohne weiteres einfangen ließen. Auf der Suche nach den Kitten entdeckten wir auf dem Nachbargrundstück eine weitere schwarz-weiße Mama mit ihren 6 Kitten. Dann wurde uns noch mitgeteilt, dass sich in der Nähe noch weitere Kitten mit ihrer ebenfalls schwarz-weißen Mama aufhalten sollten – hier zählten wir 5 Babys.

Die anfangs kleine „Baustelle“ war also doch größer als zunächst gedacht. Wir erfuhren, dass die drei Mamas verwilderte Kitten aus dem Vorjahr seien, um deren Kastration sich wohl niemand gekümmert habe.

Drei Mamas und insgesamt 13 Kitten mussten nun also gesichert werden, wenn das Problem nicht noch größere Ausmaße annehmen sollte. Es sollte eine wochenlange Aufgabe werden. Täglich mussten wir mindestens einmal nach Hoitlingen fahren – die Katzen für die Fangaktion anfüttern und sie parallel dazu einzufangen war angesagt. Kein leichtes Unterfangen bei so vielen Katzen an verschiedenen Standorten, zudem sehr zeitintensiv und natürlich alles in unserer Freizeit neben unseren Jobs. Damit die Kitten sich bei der Fangaktion mit den Lebendfallen nicht verletzen, musste hier stets unter Aufsicht vorgegangen werden.

Hoitlingen gehört übrigens zur Samtgemeinde Brome – auch hier besteht seit einiger Zeit eine Kastrations-, Chip- und Registrierungspflicht für Katzen. Auch wer Katzen füttert, ist verpflichtet, diese kastrieren zu lassen. In Gesprächen mit Anwohnern fiel uns auf, dass das leider noch nicht so bekannt ist.

Daher appellieren wir an dieser Stelle, Verantwortung zu übernehmen! Es reicht nicht, die Katzen zu füttern, weil sie einem leid tun. Sie müssen auch kastriert werden, da sie sich sonst ungehindert weiter vermehren. Sollte es nicht möglich sein, Katzen für Kastrationen einzufangen, weil sie zu scheu sind, unterstützen wir hierbei natürlich.

Dies sollte idealerweise geschehen, bevor Babys auf dem Weg oder gar geboren sind! Nach der Kastration werden die wilden Katzen dann wieder in ihrem Revier abgesetzt.

Die Baustelle Hoitlingen konnten wir nun am 7. Juli endlich abschließen. Drei Muttertiere konnten eingefangen, kastriert, gechipt, registriert und wieder in ihre gewohnte Umgebung zurück gebracht werden.

Außerdem ging uns ein sehr wilder Kater in die Falle, den wir ebenso kastrieren, chippen und registrieren konnten. 12 Kitten konnten insgesamt gesichert werden, ein schwarzes aus dem 5er Wurf wird jedoch vermisst. Es befand sich leider nicht mehr bei seinen Geschwistern.

Nun jedoch zurück zu Walter, einem der beiden Kitten, mit deren Meldung an uns alles begann. Die ursprüngliche Melderin versuchte am 16.Juni mit ihrem Freund, den Kleinen und sein Geschwisterchen zu fangen. Leider flüchteten beide Kätzchen zunächst, bevor es – jedoch nicht ohne Bissverletzungen – gelang, das Schwesterchen von Walter zu greifen. An dieser Stelle mahnen wir zur Vorsicht – auch kleine Kätzchen können schon heftig zubeißen, was nicht ganz ungefährlich ist.

Die Mamakatze flüchtete mit dem verbliebenen Nachwuchs an einen anderen Ort. So sehr wir auch suchten, fanden wir es zunächst nicht mehr. Das Baby blieb bis zum Montag, 28. Juni verschwunden. Als wir an diesem Tag abends eintrafen, teilte uns die Vermieterin der Melderin mit, sie habe das Kitten vormittags gegen 11 Uhr mit seiner Mama in der Einfahrt ihres Grundstücks gesehen.

Anwohner eines gegenüber liegenden Mehrfamilienhauses berichteten uns weiterhin, dass es sich zuvor bereits seit über einer Woche unter deren Balkon aufhielt.

Unsere Hoffnung, das Kleine nun doch noch einzufangen, keimte wieder auf.

Leider blieb es am Abend des 28. Juni verschwunden, zudem konnten wir die Mama beobachten wie sie laut rufend durch die Straßen lief. Offensichtlich vermisste auch sie ihr zu dem Zeitpunkt etwa 8 Wochen altes Katzenbaby. Es war wie vom Erdboden verschluckt! Nachdem es auch bei unserem Eintreffen am nächsten Morgen (Dienstag, 29. Juni) um 5 Uhr nicht auftauchte und die Mutter es immer noch suchte, schoss uns plötzlich der Gedanke durch den Kopf, dass es möglicherweise unfreiwillig in einem Auto mitgefahren sein könnte, beispielsweise im Motorraum, ein beliebtes Versteck für Katzenkinder. Wir hofften darauf, dass ein aufmerksamer Mensch das verschwundene Baby finden würde.

Und tatsächlich! Am Dienstag, 29. Juni um 17:35 erreichte die Tierhilfe Wolfsburg schließlich folgende Nachricht:

„Hallo… wir haben ein „kleines“ Problem unterm Auto sitzen… genauer gesagt im Auto… sie ist ca. 6 Wochen alt und versteckt sich irgendwie zwischen Motorraum und Auspuff… Es wurde wohl im Laufe des Tages schon hin und her gejagt und ist somit verängstigt…“

Der Hilferuf kam aus Rühen !

Sofort dachten wir an unser fehlendes Hoitlinger Babykätzchen und sandten Fotos an die Rühener Melder. Eines unserer Mitglieder fuhr direkt nach Feierabend um 18 Uhr mit einer Lebendfalle gewappnet zum Fundort, wo das Kitten zum Glück in einer Gemeinschaftsaktion der tollen Rühener Anwohner bereits unversehrt gesichert werden konnte und von unserem Mitglied nur noch in Empfang genommen werden musste.

Es handelte sich tatsächlich um unseren kleinen Ausreißer! Wie jedoch war das Kleine von Hoitlingen nach Rühen gekommen, bzw. von Hoitlingen nach Weyhausen? Fest steht, dass die Rühener Dame, die es bei Ankunft zu Hause in ihrem Auto vorfand, angab,  tatsächlich nicht in Hoitlingen gewesen zu sein, sondern am Vormittag des 29. Juni im Einkaufszentrum in Weyhausen. Von dort war sie gegen Mittag wieder nach Rühen zurück gefahren. Sie bemerkte nicht, dass sie einen blinden Passagier an Bord hatte. Erst, als sie zu Hause ankam, hörte sie ein lautes Miauen. Ein kleines Kätzchen sprang unter dem Auto hervor und rannte zum Nachbarn und versteckte sich dort in seinem Auto. Der Versuch, das Kätzchen aus dem Auto zu locken, veranlasste es, wieder zurück in das erste Auto zu laufen. Die Autobesitzerin suchte sich Hilfe bei katzenerfahrenen Nachbarn, die es in einer nachbarschaftlichen Gemeinschaftsaktion schafften, den kleinen Kater aus dem Motorraum zu sichern.

Die Retter äußerten den Wunsch, das Kitten „Walter“ zu nennen, inspiriert von dem Lied von Mike Krüger „Mein Gott, Walter“ und dem deutschen Rennfahrer Walter Röhrl.

Der kleine aufgeweckte Walter war trotz der ganzen Ereignisse immer noch neugierig und mutig. Man merkte ihm die Erlebnisse nicht an, als er sich zunächst für einige Tage in der Quarantäne erholte, um im Anschluss von der Pflegestelle der Tierhilfe und seiner Katzenschwester in Empfang genommen zu werden. Auch dort reihte er sich gleich in die Kittenschar ein und fing sofort mit seiner Schwester und den anderen an zu spielen.

Wie Walter am 28. Juni von Hoitlingen aus nach Weyhausen gekommen ist, um dann am 29. Juni in das Auto der Rühener Dame zu steigen und weiterzureisen, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben…..

Mein Gott, Walter

Mit Walter und den heutigen Neuzugängen betreut die Tierhilfe Wolfsburg e.V. derzeit insgesamt 79 Katzen.