Osloß
An einem Wochenende führte uns ein größerer Einsatz nach Osloß…. an denselben Ort, an dem wir vor wenigen Tagen bereits den kleinen Freddy aus einem Lichtschacht retten lassen mussten.
In einer Straße befand sich eine große Katzenpopulation mit mehr als 20 Katzen. Die Situation war den zuständigen Behörden bereits gemeldet. Da in der Gemeinde eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht besteht und die Population immer weiter anwuchs, beschlossen wir gemeinsam mit einem größeren Team, die Tiere zu sichern.
Vor Beginn des Einsatzes erklärte der Bewohner der Kellerwohnung, dass die Katzen nicht ihm gehörten. Er habe sie aber gefüttert. Die Tiere gingen regelmäßig durch ein Kellerfenster ein und aus.
Nachdem wir bereits mehrere Katzen gesichert hatten, kippte die Situation plötzlich. Der Mann reagierte sehr emotional, wurde laut, warf eine unserer Fallen durch die Gegend und filmte unsere Helfer. Einen griff er körperlich an. Aus Sorge um die Sicherheit aller Beteiligten verständigten wir die Polizei. Die Beamten waren schnell vor Ort, konnten die Situation beruhigen und ermöglichten es uns, den Einsatz fortzusetzen.
Im weiteren Verlauf kamen wir mit dem Mann ins Gespräch.
Dabei wurde deutlich, dass auch hinter diesem Einsatz ein menschliches Schicksal steht.
Der Mann lebt unter sehr schwierigen Lebensumständen und ist nach unserem Kenntnisstand gesetzlich betreut. Trotz seiner eigenen Probleme versuchte er, sich um die Katzen zu kümmern.. so gut es ihm eben möglich war. Er erzählte, dass er einen großen Teil seines wenigen Geldes für Katzenfutter ausgibt und die Tiere für ihn eine enorme Bedeutung haben.
Als wir seine Wohnung betraten, wurde schnell klar, wie belastend seine eigene Lebenssituation ist. An der Decke hing ein Fluegenfänger übersät mit toten Fliegen, die nicht die einzigen sein sollten, die hier ihr trauriges Ende gefunden haben sollten. Einmal wieder ein Fall der zeigt, wie viel Überforderung, Krankheit und Hilfsbedürftigkeit sich manchmal hinter einer Haustür verbergen.
Während wir die Katzen sicherten, erzählte uns der Mann von vielen Tieren, die in den vergangenen Jahren gestorben seien. Er war überzeugt, dass ihnen schreckliche Dinge angetan worden seien. Sie sollen mit Schrauben gequält, vergewaltigt, und mit Säure übergossen gewesen sein.
Die Fotos, die er uns zeigte, deuteten jedoch eher auf schwere, unbehandelte Erkrankungen hin….massiven Flohbefall, schweren Katzenschnupfen, scheinbare Kieferfrakturen oder andere gesundheitliche Probleme. Es wurde deutlich, dass er viele Situationen anders wahrnahm und das Leid der Tiere nicht richtig einordnen konnte.
Und genau das macht diesen Einsatz so traurig.
Hier gab es zumindest für uns keine einfachen Antworten und keinen eindeutigen Schuldigen.
Es gab über 20 Katzen, die dringend Hilfe brauchten, einen Moment in diesem schimmeligen Zimmer mit einer Mappe voller Bilder von toten Katzen und es gab einen Menschen, der offensichtlich ebenfalls Hilfe braucht.
Bis zum Ende des Tages konnten wir über 20 Katzen sichern. Alle sind unkastriert. Zwei Katzen fehlen noch und werden von uns weiterhin gesucht.
Selbstverständlich haben wir die zuständigen Behörden und die gesetzliche Betreuung über unsere Beobachtungen informiert. Unser Wunsch ist nicht, jemanden an den Pranger zu stellen. Unser Wunsch ist, dass sowohl den Tieren als auch diesem Menschen die Unterstützung zukommt, die sie dringend benötigen. Immer!
Dieser Einsatz hat uns einmal mehr gezeigt, dass Tierschutz oft weit über Tiere hinausgeht.
Manchmal treffen Tierleid, Armut, Krankheit und Überforderung aufeinander.
Dann braucht es keine Verurteilung.
Dann braucht es Mitgefühl, Verantwortung und Menschen, die hinschauen… für alle Beteiligten.
Leider fehlen noch einige Tiere die in Osloß an mehreren Stellen Futter finden. Wir bitten euch, nicht mehr zu füttern bis die Aktion abgeschlossen ist.


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