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Ich dachte ich bin niemandem wichtig.

Bis gestern war meine Welt ziemlich klein.

Mein Platz war mein Körbchen. Dort sollte ich bleiben. Still sein. Mich möglichst wenig bewegen. Manchmal trug ich eine viel zu enge Maulschlaufe. Futter gab es nicht immer regelmäßig.

Ich glaube, irgendwann habe ich gelernt, dass es sicherer ist, einfach nichts zu tun.

Nicht aufzufallen.

Nicht im Weg zu sein.

Keine falsche Bewegung zu machen.

Denn schnelle Bewegungen machen mir Angst. Wenn irgendwo etwas herunterfällt oder jemand plötzlich nach mir greift, zucke ich zusammen. Ich ducke mich, mache mich ganz klein und renne los. So hektisch, dass meine Hinterbeine meinen Vorderkörper beinahe überholen.

Ich weiß ja noch nicht, dass nicht hinter jeder Bewegung etwas Schlimmes steckt.

Gestern kamen plötzlich Menschen, die mich mitnehmen wollten.

Meine bisherige Besitzerin ist erkrankt und konnte sich nicht mehr ausreichend um mich kümmern. Schließlich hatte sie selbst eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann, und man bat die Tierhilfe um Hilfe.

Und dann sollte ich mein Körbchen verlassen.

Ich wusste nicht, wohin ich sollte.

Ich wusste nicht, was von mir erwartet wurde.

Ich war einfach nur verängstigt.

Zum Abschied wurde ich noch einmal in mein Körbchen geschubst. Und als ich anschließend nicht schnell genug lief, musste ich mit einem Tritt von hinten nachhelfen lassen.

Die Menschen, die mich abholten, standen daneben.

Und ich glaube, in diesem Moment haben sie verstanden, warum ich mich bei jeder schnellen Bewegung ducke.

Jetzt bin ich weg.

Zum ersten Mal darf ich mich bewegen, ohne dass mir jemand sagt, ich müsse an meinem Platz bleiben. Zum ersten Mal beginnen Menschen damit, herauszufinden, was ich eigentlich brauche.

Ich verliere unkontrolliert Urin. Warum, wissen wir noch nicht. Das wird tierärztlich abgeklärt werden. Vielleicht steckt etwas Körperliches dahinter, vielleicht hat mein Körper einfach sehr viel erlebt. Wir werden hinschauen und herausfinden, was mit mir los ist.

Und dann gibt es da noch diese Sache, die wahrscheinlich sehr viel länger dauern wird:

Ich muss lernen, dass ein Mensch die Hand heben kann, ohne dass etwas passiert.

Dass ein Geräusch einfach nur ein Geräusch sein kann.

Das ich laufen darf.

Das ich mich freuen darf.

Das Futter wiederkommt.

Dass ich schlafen darf, ohne auf alles vorbereitet zu sein.

Und vielleicht irgendwann sogar, dass ein Körbchen kein Gefängnis sein muss.

Mein Name ist Guido.

Ich bin erst drei Jahre alt.

Und gestern hat mein neues Leben angefangen.

Willkommen bei uns, kleiner Mann. Du musst hier nicht funktionieren. Du darfst erst einmal einfach nur Hund sein.

Begleitet ihr seinen Weg?