EIN BLICK REICHT NICHT. (2.)
Manchen Tieren sieht man ihr Handicap sofort an.
Manchen sieht man allerdings gar nicht an, wie krank sie sind.
Und manchen….sieht man nicht an, wie gut es ihnen geht.
Trotzdem wird beim bloßen Anblick schnell geurteilt:
„Das ist tierschutzwidrig.“
„Das Tier quält sich doch.“
„Wie kannst du es nicht einschläfern?“
Doch Lebensqualität ist kein optischer Zustand.
Sie ist keine Momentaufnahme.
Sie lässt sich nicht aus einem Foto,
nicht aus einem kurzen Video
und nicht aus einer Diagnose ableiten.
Lebensqualität zeigt sich erst durch vernünftige Beobachtung über längere Zeit:
Wie frisst ein Tier?
Wie bewegt es sich?
Wie spielt es, ruht es, kommuniziert es?
Hat es Freude, Interesse, Bindung?
Diese Tiere hier auf der Collage sind blind, taub, gelähmt, amputiert, inkontinent, chronisch krank oder waren schwer verletzt.
Sie tragen Windeln, nutzen Rollstühle (auch Rollstühle können bestimmtn Tieren Lebensqualität nehmen) , klettern trotz Hinterhandlähmung auf Kratzbäume, spielen, kuscheln, leben.
Warum wir das zeigen?
Weil wir immer wieder erleben, dass über solche Tiere entschieden wird,
ohne sie wirklich zu kennen.
Weil von Tierarztpraxen Behandlungen abgelehnt werden,
weil Euthanasie vorschnell als einzige Lösung genannt wird,
weil Angst, Vorurteil oder reine Optik schwerer wiegen als Beobachtung und Fachwissen.
Weil Ethik scheinbar für viele Menschen bedeutet, dass alles was nicht der Norm entspricht in den Himmel muss….
Und ja: Auch behinderte Tiere können krank werden.
So wie jedes andere Lebewesen auch.
Auch Krankheit ist kein Beweis für fehlende Lebensqualität
sondern Teil von Leben und auch eine Katze mit nur zwei Beinen darf gegen einen Katzenschnupfenkomplex behandelt werden oder die Halter dürfen das Tier kastrieren lassen ohne angewidert angeschaut zu werden.
Nicht jedes Handicap bedeutet Leid.
Nicht jedes besondere Tier leidet.
Und nicht alles, was anders aussieht, ist tierschutzwidrig.
Tierschutz heißt hinschauen.
Beobachten.
Verstehen.
Und Entscheidungen im Interesse des einzelnen Tieres treffen….
nicht nach Optik, Vorurteil oder Angst.
Vielleicht sollten wir aufhören zu fragen, ob dieses Leben perfekt ist
und anfangen zu sehen,
dass es lebenswert ist.

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